Hej Wut!
- Björn Krause

- 8. Mai
- 1 Min. Lesezeit
Du kommst nicht plötzlich. Das habe ich lange gedacht. Aber es stimmt nicht.
Du kündigst dich an. Nur sehr leise. Im Hals. Hinter der Brust. Im Magen.
In Gedanken, die ich immer wieder durchspiele – aber nicht ausspreche. So habe ich das gelernt.
Dann wirst du lauter. Schneller. Heißer. Bis du ganz da bist.
Ich will nicht schreien. Ich will niemanden verletzen. Ich will nur, dass es aufhört. Dass du gehst.
Früher warst du klarer für mich. Da hast du mich beschützt. Weil ich zu klein war, um mich zu wehren. Du warst meine Stimme, wenn ich keine hatte.
Dann wurde mir beigebracht, dass du zu viel bist. Zu laut. Zu direkt.
Also habe ich gelernt, stiller zu werden. Mich zurückzunehmen. Nichts zu sagen.
Später habe ich dich besser versteckt. Hinter Ironie. Hinter Rückzug. Hinter „alles gut“.
Hat nicht funktioniert.
Du warst nie weg. Bist nur geschickter geworden.
Heute kommst du anders. Als Müdigkeit, die kippt. Als Sarkasmus, der zu scharf wird. Als Härte, wenn ich Nähe nicht aushalte.
Und irgendwann bist du wieder ganz da.
Dann erschreckst du mich.
Ich glaube, das ist das Problem. Nicht du. Sondern der Moment davor.
Ich bemerke dich erst, wenn es schon zu spät ist.
Weil ich dich vorher übersehe. Oder ignoriere.
Vielleicht muss ich dich früher kennenlernen.
Nicht erst, wenn du schreist. Sondern wenn du anfängst, dich zu zeigen.
Vielleicht reicht das schon.

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